In der Präsenz im Stadtteil sieht Petra Bosse-Huber, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, die Chancen von Kirchengemeinden auch in „armen“ Städten: Es sei ein Standortvorteil, dass Gemeinden in den Stadtteilen und Quartieren anwesend und verwurzelt seien, unterstrich die Vizepräses heute Nachmittag beim Empfang zum Beginn des neuen Kirchenjahres des Kirchenkreises Wuppertal. Allerdings müssten sich Kirchengemeinden wie Kommunen diakonisch, sozial und solidarisch neu ausrichten: „Dazu ist es notwendig, nicht nur ,Kirche für andere’ zu sein, sondern ,Kirche mit anderen’“, sagte Bosse-Huber: „Ein großes Potenzial liegt darin, kirchliche Arbeit so zu gestalten, dass die Armen und von Armut Bedrohten nicht mehr nur Hilfeempfänger oder ,Diakoniefälle’ sind. Hier liegt in vielen Gemeinden ein Pfund, das begraben ist, begraben und vergessen.“
Es müsse gerade in klammen Kommunen und Kirchengemeinden, die gleichermaßen unter der Finanznot durch Arbeitslosigkeit ihrer Einwohner bzw. Mitglieder leiden, darum gehen, Menschen dafür zu begeistern, neue Projekte für Stadt und Gemeinde zu starten. „Der Reichtum einer Stadt genau wie der eines Kirchenkreises sind die Menschen, die dort leben“, so die Theologin in ihrem Impulsreferat „Arme reiche Stadt“, die selbst in Wuppertal beheimatet ist. Jenseits dessen, was sie verdienen oder besitzen, gehören nach Einschätzung Bosse-Hubers für viele Menschen drei Faktoren zu einem reichen, lebenswerten Leben in einer Stadt oder einem Kirchenkreis: „Wichtig ist Heimat. Das Gefühl der Beheimatung in einem Stadtteil oder in der Kirchengemeinde im Quartier trägt zum subjektiven Reichtum und zur Zufriedenheit erheblich bei. Für beide gilt: Sie werden besonders dann als Heimat definiert und in Anspruch genommen, wenn die Menschen in ihnen und durch sie eine Bestätigung ihres (Selbst-)Wertes erfahren. Diese Bestätigung hängt für viele in hohem Maße davon ab, wie sehr sie in Stadtteil oder Gemeinde eingebunden sind und sich beteiligen können – also Bestätigung durch Partizipation.“ Heimat – (Selbst-)Wert – Beteiligung: Das seien drei entscheidende Faktoren für subjektiv und auch gemeinschaftlich empfundenen Reichtum jenseits der Finanzen und für ein Wachstumspotenzial, das aus Kreativität und Solidarität genährt wird.