Die Schreckensbilder der letzen Woche besetzen nach wie vor das Denken und Fühlen der Menschen, so der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Und werfen viele Fragen auf. Denn „mitten in ein Fest überbordender Lebensfreude hat der Tod uns allen sein schreckliches Angesicht gezeigt. Warum mussten 21 junge Menschen so plötzlich sterben, die doch nur ihrer Lebensfreude Ausdruck geben wollten, warum ließ Gott das zu?“ so Schneider weiter in seiner Predigt. Er griff auch die brennende Frage nach der Verantwortung auf: „Und wie verlangt Gott Rechenschaft von denen, die Verantwortung für das Unglück zu tragen haben?“
Fragen müssen Antworten finden
An dem feierlichen Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer der Loveparade nahmen Angehörige, aber auch zahlreiche Einsatzkräfte von Polizei und Notfallseelsorge teil. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Christian Wulff, Bundestagspräsident Nobert Lammert, Außenminister Guido Westerwelle sowie Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gedachten der Opfer. Die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen sprach die einzige Trauerrede im Anschluss an den Gottesdienst. Dabei stand auch für sie fest: „Das Geschehene lässt uns nicht los. Es gibt noch zu viele Fragen, noch zu wenige Antworten. Wie konnte dies geschehen? Wer trägt Schuld, wer ist verantwortlich? Diese Fragen müssen und werden Antworten finden.“ Kraft dankte zudem besonders den Rettungskräften und würdigte ihren Einsatz: „Viele haben bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit Menschenunmögliches geleistet. Ihnen danken wir.“
Die Fassungslosigkeit und das Entsetzen spiegelten sich ebenfalls in der Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, der gemeinsam mit Präses Schneider den Gottesdienst leitete: „Von jetzt auf gleich bricht alles zusammen. Menschen sterben, werden verletzt – an Leib und Seele. Viele stürzen in großes Leid. Leid, das lange währen wird.“
Keine Antwort auf das „Warum“
Viele Fragen werden so schnell keine oder auch gar keine Antwort finden. „Unser Glaube an Gott gibt uns keine eindeutigen Antworten auf unser Fragen nach dem Warum“, erklärte Präses Schneider. Der Glaube an Gott sei keine Versicherung gegen Erfahrungen des Leides und des Todes. Aber man könne darauf vertrauen: „Stärker als der Tod ist Gottes Liebe. Gottes liebevolle Gegenwart auf allen unseren Wegen ist uns zugesagt“.
Auch der Bischof von Essen vertraut darauf: „Ich glaube, dass dieser Gott, der uns in Jesus Christus entgegenkommt, auch das Leid dieser Stunde heilen kann. Er hat uns nicht vor diesem Leid bewahrt und er bewahrt uns auch nicht vor vielem anderen Leid. Er gibt auch keine Antworten auf viele unserer Fragen. Und doch heilt er und ist da“, so Overbeck.