Etwa 600 Gäste waren zum Festgottesdienst gekommen und ließen sich durch das virtuose Orgelspiel von Kantor Christian Tegel begeistern. Das 16 Tonnen schwere Instrument verfügt über genau 3792 Pfeifen und hat dank moderner Elektronik 30.000 speicherbare Registrierkombinationen – beste Voraussetzungen für das Spielen vielfältiger Kompositionen aller Epochen.
Nur vier Jahre hat es von den ersten Planungsgesprächen bis zur Einweihung der neuen Orgel gedauert – ein Projekt, von dem der ehemalige Florinspfarrer und heutige Berliner Bischof Dr. Markus Dröge in seiner Predigt sagte: „Hätten Sie mich vor zehn Jahren gefragt, ob es jemals eine neue Orgel für die Florinskirche geben könne, ich hätte wahrscheinlich abgewinkt und gesagt: ‚Die Zeiten sind nicht so.’“
Dass „die Zeiten“ jetzt doch so sind, verdankt die Evangelische Kirchengemeinde Koblenz-Mitte vor allem ihrem langjährigen Presbyteriumsmitglied Dr. Dietrich Auge. Der Arzt hat sich mit dem jetzt von der Orgelbaufirma Förster & Nicolaus aus Lich (Oberhessen) gebauten Instrument einen lange gehegten Wunsch erfüllt.
Alten Traum erfüllt
Bis zur Zerstörung der Stumm-Orgel von 1820 durch einen Schwelbrand im Jahre 1970 hat er selbst als Jugendlicher am historischen Instrument Orgelunterricht genommen. Weil die 1973 in Betrieb genommene Orgel nur eine weitaus geringere Klangqualität bot, träumte er jahrzehntelang vom Raum füllenden Zauber vergangener Zeiten.
Etwa die Hälfte der Gesamtkosten in Höhe von rund 850.000 Euro spendete er deshalb für das europaweit ausgeschriebene Orgelbauprojekt. Die übrigen Kosten hat das Land Rheinland-Pfalz zum Neubau der Orgel beigesteuert.
Untergebracht in der einstigen Stiftskirche
In der Festschrift zur Einweihung der neuen Orgel schreibt Staatssekretär Dr. Salvatore Barbaro vom Ministerium der Finanzen des Landes Rheinland-Pfalz: „Nach der Einbindung des Rheinlandes 1815 in das preußische Territorium benötigte Friedrich Wilhelm III. für seine in Koblenz stationierten Garnisonen eine ausreichend Platz bietende Kirche. Er kaufte der Stadt die leerstehende Stiftskirche ab und ließ sie 1818 bis 1820 nach Entwürfen von K. F. Schinkel und J. C. von Lassaulx neu gestalten.“
Das Land Rheinland-Pfalz, in der Rechtsnachfolge des Landes Preußen, und die evangelische Kirchengemeinde Koblenz-Mitte sind heute zu gleichen Teilen Eigentümer der Florinskirche und tragen entsprechend die Kosten für die Unterhaltungsarbeiten. Dankbar sei er vor allem, dass die neue Orgel das kulturelle Programm zur Bundesgartenschau in Koblenz 2011 bereichern werde, so Barbaro.
Anziehungskraft auf Touristen und Passanten
Bischof Dröge zeigte sich in seiner Predigt überzeugt: „‚Unsere Florinskirche wird nun mitten in der historischen Altstadt von Koblenz ihre Wirkung als Klangkörper und Resonanzraum der frohen Botschaft noch besser entfalten können.“ Sie werde mit ihren offenen Türen und dieser neuen Orgel „nun noch stärker Touristen und Passanten anziehen“ und das kirchenmusikalische und damit das kulturelle Leben noch stärker bereichern können.
„Mit dieser neuen Orgel wird unsere Florinskirche mit noch mehr Ausstrahlungskraft zu Gottesdiensten und Vespergottesdiensten, zu Konzerten und anderen Veranstaltungen einladen.“ Mit Bezug auf die beginnende Adventszeit fügte Dröge hinzu: „Nun kann die Königin der Instrumente uns heute begleiten, wenn wir den König der Ehre empfangen. Wir bekräftigen und bezeugen heute mitten in der unerlösten Welt, dass wir nicht aufhören werden, auf Gott zu vertrauen. Wir warten auf seine Ankunft und lassen nicht ab von unserer großen Hoffnung.“