Die bunten Kirchenfenster entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Fenster mit Motiven aus allen Weltreligionen. Mit dieser Optik und der biblischen Aufforderung „Lebt mit allen Menschen in Frieden“ aus dem Römer-Brief geht die Kampagne an die Kirchengemeinden und in die Öffentlichkeit. Sie wurde von der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) konzipiert, zu deren Mitgliedskirchen die EKiR gehört.
„Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht, das wir uneingeschränkt verteidigen müssen“, sagt VEM-Vorstandsmitglied Dr. Jochen Motte. Thematisiert wird ausdrücklich nicht nur Christenverfolgung – aber auch, zum Beispiel diejenige in Indonesien. Zum Hören: Dr. Jochen Motte
Ähnlich der rheinische Kirchenrat Rafael Nikodemus: „Die Religionsfreiheit als ein Menschenrecht muss überall auf der Welt als Recht durchgesetzt werden.“ Zum Hören: Ausschnitt des Statements von Rafael Nikodemus
Kratzbürstiger kämpfen
Der Menschenrechtsexperte Prof. Dr. Heiner Bielefeldt forderte die Kirchen auf, ihr Potenzial zu nutzen und „kratzbürstiger“ für die Wahrung der Religionsfreiheit zu kämpfen. In der Pressekonferenz im Düsseldorfer Landeskirchenamt warb er für die Religionfreiheit als Friedensprojekt, wobei es nicht um Ruhe, sondern um einen „quirligen Frieden“ gehe.
Wie auch Jochen Motte machte sich Bielefeldt, Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Juni Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit des UN-Menschenrechtsrats, für eine Reigionsfreihheit stark, die sich nicht gegen Meinungsfreiheit ausspielen lässt. Nicht gemeint sei eine Freiheit der Religion von Kritik oder Karikaturen.
Gespeist aus Angst oder Verachtung
Abgesehen von diesen möglichen Interpretationen bzw. Fehlinterpretationen sei die Religionsfreiheit praktisch bedroht. „Es ist erschreckend, welcher Hass mobilisiert werden kann.“ Dieser speise sich aus Angst oder Verachtung, so Bielefeldt. Betroffen sind, in Stichworten: die Bahai im Iran, Falun Gong in China, Christen im Irak, Zeugen Jehovas in Eritrea. das komplette Statement von Prof. Bielefeldt zum Hören
Von Verletzungen der Religionsfreiheit in seinem Heimatland Indonesien berichtete Dr. Robinson Butarbutar, derzeit als Vorstandsmitglied in der VEM-Zentrale in Wuppertal tätig. Allein in diesem Jahr gab es mehr als 30 Fälle von Menchenrechtsverletzungen, gegen eine bestimmte Gruppe innerhalb des Islam und gegen Christinnen und Christen. Nur ein Beispiel: Die evangelische Gemeinde in Ciketing Bekasi in West-Java hatte Schwierigkeiten, ein Haus des Gebets zu errichten. Im September wurde die Pfarrerin vergewaltigt.
Radikale Stimmen
Hinter den Angriffen steckten radikale islamischen Stimmen. Es brauche dringend ein Gesetz für den Schutz der Religionsfreiheit, so Butarbutar. Seine Heimatkirche, die Toba-Batak-Kirche, setze sich dafür in Indonsien ein. Und er hoffe, dass sie dabei von der ökumenischen Bewegung weltweit unterstützt wird.
Das Material zur Kampagne hat die VEM an alle Kirchengemeinden versandt. Er hoffe, dass sie davon in Gottesdiensten, Andachten und besonderen Aktionen Gebrauch machten, so Jochen Motte.