Melanie Franz ist sozusagen eine Frau der ersten Stunde. Denn mit dem Start des bundesweiten Präventionsprogramms „Respekt Coaches“ im Jahr 2018 nahm auch sie ihre Arbeit an den beiden Standorten des technisch-gewerblichen und sozialpflegerischen Berufsbildungszentrums in der saarländischen Kreisstadt Neunkirchen auf. „Ziel ist es, mit Projekten und Workshops das Klassenklima zu verbessern, aber auch Respekt und Toleranz sowie interkulturelle und interreligiöse Kompetenzen zu vermitteln“, berichtet Franz, die eine von zwei Respekt-Coaches des Diakonischen Werks Saar ist und damit zu den 14 Respekt Coaches an neun Schulstandorten unter dem Dach der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe gehört. Ihre Aufgabe ist es, Gruppenangebote in Kooperation mit externen Netzwerkpartnern, etwa aus der politischen Bildung, zu organisieren und diese zu begleiten. „Zum Teil leite ich sie auch selbst. Für manches braucht es aber Expertinnen und Experten.“
Stolperstein-Aktion und demokratische Teilhabe
Diese Angebote sind vielfältig. So setzten sich Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2019/20 zum Beispiel bei einer Stolperstein-Aktion mit Biografien von Opfern des Nationalsozialismus auseinander. Zusammen mit einem Filmwissenschaftler lernten sie, einen Film zu drehen – vom Skript bis zum Schnitt. Es gab unter anderem ein interkulturelles Volleyballturnier, ein Kunstprojekt, einen interkulturellen Ausbildungstag sowie einen Ausflug in den Hochseilgarten „Fun Forest“ in Jägersburg mit Kooperationsspielen und Vertrauensübungen.
Hervorzuheben ist auch Franz‘ Einsatz für demokratische Teilhabe. So betreut sie mit den Vertrauenslehrkräften die Schülervertretung und ermöglicht den Jugendlichen damit eine aktive Partizipation am Schulleben. Außerdem begleitet sie die Mediatorinnen und Mediatoren. Das sind Schülerinnen und Schüler, die als eine Art Streitschlichter fungieren. Ganz im Sinne des „Respekt Coaches“-Mottos „Lass uns reden! Reden bringt Respekt“.
Für die Themensetzung bei den Angeboten ist die Sozialarbeiterin stets in regem Austausch mit Lehrkräften, Schulleitung und den Schülerinnen und Schülern. Das sei nötig, um zu wissen, wo es hakt. „Meistens kommen die Lehrkräfte mit Hinweisen auf mich zu.“ Dabei handele es sich häufig um alltägliche Probleme wie Ausgrenzung und Streitigkeiten. „Das Gute ist, dass diese oft schon da erkannt werden, wo sie entstehen.“ Franz bezeichnet diese Arbeitsweise als „lebensnah“. „Wir sind eng dran am Alltag der Jugendlichen und genau dort wollen wir sie auch erreichen.“