Grußwort
Ansgar Hörsting,
Präses Bund Freier evangelischer Gemeinden Deutschland,
zu halten anlässlich der 62. ordentlichen Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland
am Sonntag, 9. Januar 2011
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,
die Gelegenheit, vor der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland das Wort zu erhalten, bedeutet zweierlei: es ist ein Vorrecht und eine Versuchung. Ein Vorrecht, weil Sie mir ein Recht einräumen, das nicht jeder erhält. Eine Versuchung, weil ich in mir zunächst den Drang verspürte, all das zu sagen, was ich schon immer einmal sagen wollte. Der Versuchung widerstehe ich, um das Recht nicht zu verspielen. Denn es soll ein Grußwort, kein Grundsatzvortrag sein.
Und so sage ich Ihnen ein Wort der Heiligen Schrift und verbinde es mit drei Stichworten.
„Wer festen Herzens ist, dem bewahrst du Frieden; denn er verlässt sich auf dich. Darum verlasst euch auf den HERRN immerdar; denn Gott der HERR ist ein Fels ewiglich.“ (Jesaja 26,3-4)
1. Ein unerschütterliches Fundament. Gott ist ein Fels, unerschütterlich, zuverlässig, ewig. Das möchte ich der Landessynode als Zusage mit auf den Weg geben. Dieses Bild vermittelt: Darauf kannst Du Dich verlassen. Die evangelischen Kirchen, wozu die Freikirchen auch gehören, denn es sind evangelische Freikirchen, berufen sich auf das Erbe Luthers, der schrieb: Ein feste Burg ist unser Gott. Es gibt enorm viele Herausforderungen, denen Sie sich stellen müssen. Eine Synode ist nicht vergnügungssteuerpflichtig, sie ist anstrengend. Das entnehme ich Ihrem Programm, der Fülle an Beiträgen und Beschlussvorlagen. Die Kirche Jesu Christi und Sie als Synodenmitglieder, sollen wissen: Es gibt einen festen Grund. Es ist Gott selber. Er beruft sein Volk und baut seine Kirche. Und entweder die Kirche ist auf ihm gegründet, oder sie wankt. Der Grund der Gemeinde ist Jesus Christus selber, wie Paulus schrieb. Er ist unser Fels ewiglich.
2. Ein starkes Vertrauen. Das ist mein Wunsch an die Landessynode: Vertrauen Sie diesem Gott. Jesaja sprach dieses Wort im Auftrag Gottes zu seinem Volk, als es versucht war angesichts existentieller Bedrohungen die Seiten zu wechseln, falsche Loyalitäten mit der ein oder anderen Macht einzugehen und neben Gott anderem zu vertrauen. Die neutestamentliche Gemeinde ist aufgefordert: Vertraut auf Gott. Allezeit! Ich wünsche Ihnen das Vertrauen in Gott. Wie schnell setzen wir auf andere Mächte. Ein kirchliches Gremium darf nicht auf Taktiererei basieren, sondern auf Vertrauen. In Gott und zueinander. Eine große Kunst dabei ist, nötige zeitgemäße Wege zu gehen und Entscheidungen zu treffen, aber das eben nicht aus Misstrauen dem Wirken Gottes gegenüber, sondern im Vertrauen auf ihn. Vertrauen muss immer gelebt werden, sonst wird es ein verstaubter Begriff, der niemandem hilft. Vertrauen Sie diesem Gott in der Arbeit, die vor Ihnen liegt.
3. Ein festes Herz. Das ist meine Erwartung an die Landessynode: seien Sie im besten Sinne des Wortes fromm, denn das macht stark. Wer Gott, dem ewigen Fels vertraut, der bekommt ein festes Herz. Er wird selber verlässlich, standhaft und stark. Als der Essener Jugendpfarrer Wilhelm Busch gefragt wurde, warum er die jungen Leute beim Gebet auch knien ließe, dass sei doch antiquiert und unzumutbar für moderne Menschen, antwortete er: „Wer sich vor Gott kniet, kann vor Menschen aufrecht stehen.“ Wer diesem Gott vertraut, der ist stark, den Fragen standzuhalten und sein Fähnchen nicht nach dem Wind zu drehen. Sie kommen hier nicht zusammen, um Applaus zu erhalten, auch wenn das ermutigen kann. Sie kommen hier zusammen, um dem Vertrauen auf Gott in konkreten Entscheidungen Ausdruck, dem Vertrauen ein Gesicht zu geben. Tun sie es als fromme, vertrauende und feste Menschen.
Die Vereinigung evangelischer Freikirchen bedankt sich für das gute Zusammenwirken hier im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland, vor allem auch im Hinblick auf die Vokation zur Tätigkeit als Religionslehrer/in. Wenn das in allen Landeskirchen so liefe wie hier, wären wir ganz glücklich. Vielleicht können Sie die anderen Landeskirchen ja noch anstecken!
Verbunden im Bekenntnis und Glauben an den dreieinen Gott, den Vater und Schöpfer, an Jesus Christus, in dessen Tod und Auferstehung unser Heil liegt und den Heiligen Geist, der uns führt und in uns lebt, grüße ich Sie herzlich im Namen der in der VEF verbundenen evangelischen Freikirchen.
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