Pressemitteilung

Für Gott offen bleiben

  • 16.06.2021

Guten Morgen,

seit gut 45 Jahren bin ich

haupt- und ehrenamtlich in der Evangelischen Kirche unterwegs. Als ich anfing

bei der Firma ‚Evangelisch‘ waren wir noch so richtig Volkskirche, und gefühlt

machten alle mit. Heute sind alle Christinnen und Christen in Deutschland

zusammen etwas weniger als die Hälfte der Gesamtbevölkerung. Natürlich kenne

ich die Zahlen, aber als Schulpfarrerin bin ich öfter gefragt. Schülerinnen und

Schüler scheinen sich also etwas von mir zu versprechen, wenn sie mit mir über

persönliche oder schulische Themen und Probleme reden wollen. Wenn bei

Begegnungen jemand pauschal die Kirche kritisiert, dann sage ich schon mal:

„Aber ich bin doch auch ‚die Kirche‘“. Die Antwort klingt immer ähnlich: „Aber Sie

sind doch gar nicht so wie diese Kirchentypen.“ Ich entgegne: „Die Kirche, das

ist auch die Frau, die sonntags vor der Kirchentür um Geld bettelt“. „Die

Kirche, das ist auch die Wirtschaftsprüferin, die sich ehrenamtlich um die Finanzen

kümmert oder der Mann, der das Abendmahl nach Hause gebracht bekommen muss, da

er seine Wohnung nicht mehr verlassen kann. Die Kirche, das sind auch die

vielen divers lebenden Menschen, jeweils mit ihren Begabungen und Sorgen.“ „Ach

so, ja klar, hatte ich vergessen“, bekomme ich dann manchmal als Antwort. Aber

die Kritik an der Kirche im Allgemeinen höre ich trotzdem immer wieder.

Hoffnung macht mir da ein

Impuls der Evangelischen Kirche im Rheinland, der im Januar dieses Jahres

verabschiedet worden ist. Da wird die Aufgabe der Kirche in der Gesellschaft –

für alles Volk – so beschrieben. Die Kirche hält den Blick für Gott offen; trägt

diesen Blickwinkel in die Gesellschaft ein. Sie ist also eine Art Lobbyistin –

Interessenvertretung – für Gott. (1)

Der Apostel Paulus ist für

mich der erste Lobbyist für Gottoffenheit. In seiner Rede auf dem Marktplatz in

Athen tritt er öffentlich auf – und leidenschaftlich. Er erzählt von Jesus und

von der Auferstehung, er erzählt von der Schöpfung, und dass Gott nicht in

Tempeln wohnt, die mit Händen gemacht sind. Überzeugt ist er von seinem Glauben

und redet mit Schwung. Gleichzeitig achtet er die Religionen der anderen, die

er auf dem Marktplatz kennengelernt hat. Und verweist darauf, dass kein Bild

Gottes Wesen fassen kann.

Der Erfolg ist mäßig.

Einige lassen Paulus auflaufen, andere verabschieden sich elegant: „Wir wollen

ein andermal mehr hören.“ Wieder andere fragen aber auch nach. Diskutieren mit

ihm, wollen mehr wissen und sind neugierig geworden auf Gott. Ich freue mich,

wenn meine Schülerinnen und Schüler offen sind für Gott. Wenn sie Fragen und

Zweifel haben. Und die auch aussprechen. Im persönlichen Gespräch ist das

leicht, in der Schule auch, aber in der Kirche fehlt vielen Menschen dazu oft

der Mut. Das soll anders werden. Deshalb bereite ich gemeinsam mit anderen

gerade ein Kirchencamp in Solingen vor. Pfingsten 2022 wollen wir in der Stadt

und in den Kirchen mit Menschen ins Gespräch kommen. Herzliche Einladung schon

jetzt, an alle Zweifler und Begeisterte, und an alle Neugierigen. Für

Auswärtige wird es auch Übernachtungsmöglichkeiten geben.

Es grüßt Sie herzlich,

Schulpfarrerin Gerlinde Anders aus Leverkusen.

(1) https://suche.ekir.de/?query=lobbyistin+der+gottoffenheit&referrerPageUrl=https://www2.ekir.de/,

letzter Zugriff am 29.5.2021.

Redaktion: Landespfarrerin

Petra Schulze