Gottliebe Liba hatte Gott lieb. Und nicht nur ihn, sondern auch seine Gemeinde. Deshalb schenkte sie der evangelischen Kirche im ostpreußischen Mensguth (heute Dźwierzuty) 1897 einen Abendmahlskelch.
Wo sich Gottliebe Liba zum Zeitpunkt ihrer großherzigen Spende aufhielt, ist nicht bekannt. Die Spur der Familie, die im Kirchspiel Mensguth, genauer im Dorf Samplatten (heute Saplaty), seit dem 17. Jahrhundert einen Namen hatte, verliert sich um 1880. War sie – wie viele Masuren Ende des 19. Jahrhunderts – für Lohn und Brot Richtung Westen aufgebrochen? Und der Kelch womöglich Ausdruck ihrer großen Sehnsucht nach der alten Heimat?
Pfarrer Witold Twardzik, heute Seelsorger der Gemeinde im polnischen Dźwierzuty, hält das für denkbar. Denn eine Gravur im Fuß des Kelchs vermerkt neben der frommen Geberin den Hersteller der Kostbarkeit, den Fachlieferanten für Kirchenbedarf F. W. Jul. Assmann mit Wurzeln in Lüdenscheid. Dessen heutiger Inhaber, Christian Peter Barthelmes, spricht von einem „sehr schönen Stück“ aus reinem Silber, das vielleicht einmal „ein halbes Jahresgehalt“ gekostet habe.
Internet-Suche führte ins Rheinland
Doch der Reihe nach. In den Weltkriegs-Wirren ging auch das liturgische Gerät der evangelischen Kirche in Mensguth verloren – und mit ihm der von Gottliebe Liba gestiftete Gemeinschaftskelch fürs Abendmahl.
Eher zufällig suchte Pfarrer Witold Twardzik vor einigen Monaten im Internet unter dem Stichwort Mensguth historische Hinweise, nachdem auf dem Dachboden der Kirche in Dźwierzuty Bretter mit Malereien aus vergangenen Jahrhunderten gefunden worden waren.
Dabei stieß er in den Weiten des Netzes auf das Kölner Auktionshaus Van Ham – und unter der Nummer 65082-3 auf das versteigerte Objekt „Messkelch für eine Kirche in Mensguth, ehemals Ostpreußen“, Taxe: 600 Euro, Ergebnis: 774 Euro.
Versteigert – und doch wieder auf Reisen