Das aktuelle Zauberwort Integration erstirbt einem bei diesem jungen Mann sofort auf den Lippen. Ehrgeiziger, zielstrebiger und in sich ruhender kann ein 17-Jähriger gar nicht sein wie dieser Ibrahim Ahmadsei, Sohn afghanisch-koreanischer Eltern. Lächelnd erzählt dieser durchtrainierte Junge vom Kick, als er das erste Mal Jacke und Hose der deutschen Nationalmannschaft überzog. „Ein gutes Gefühl.“ Und im Wettbewerb habe er dann gesehen, wie seine Familie mit der Deutschlandfahne im Publikum jubelte. „Das hat mir noch mehr Rückhalt gegeben“, sagt der Zwölftklässler des evangelischen Amos-Comenius-Gymnasiums in Bonn ernst.
Mit Olympia-Silbermedaille
Der Taekwondo-Kämpfer Ibrahim Ahmadsei ist längst eine der größten Hoffnungen des deutschen Leistungssports. Einer, der bislang im Jugendbereich auch die internationalen Meisterschaften am Fließband gewinnt. Im Juni letzten Jahres wäre er in einem Wimpernschlag-Finale fast Goldmedaillengewinner der Olympischen Jugendspiele in Singapur geworden. Die Entscheidung für den viel größeren und schwereren Chinesen war nicht unumstritten. „Das ist eben das Problem bei dieser Gewichtsklasse über 73 Kilo. Aber egal“, schüttelt Ibrahim den Kopf. Das nächste Mal werde er den Chinesen packen. „Ich bin besser im Nahkampf, schneller, dynamischer“, strahlt der 17-Jährige selbstbewusst.
Dabei hatte seine Karriere eigentlich unspektakulär begonnen. Alle Geschwister seien von klein an auf die Sportart aus dem Geburtsland der Mutter abonniert gewesen. „Und irgendwann habe ich Wettkämpfe gesehen und wollte dabei sein.“ Schnurstracks ging mit dem wendigen und trainingsfleißigen Jungen aufwärts. „Wenn man was will, erreicht man es auch“, kommt ganz selbstverständlich über Ibrahims Lippen. So schaffte er nach der sechsten Klasse auch den Übergang von der saudiarabischen Bonner König-Fahad-Akademie aufs evangelische Amos-Comenius-Gymnasium problemlos. „Ibrahim zeigt hervorragende Leistungen und ist ungemein zuverlässig“, lobt ihn Amos-Direktor Christoph Weigeldt.
Die christlichen Freunde unterstützen ihn
Und ergänzt bewundernd, dass Ibrahim im Alltag, etwa im evangelischen Religionsunterricht, kein Hehl aus seinem muslimischen Glauben mache. Ja, das regelmäßige Gebet sei wichtiger Bestandteil seines Tages, bestätigt der 17-Jährige. „Ich vertraue auch im Wettkampf auf Gott. Er macht mich stark“, kommt ganz locker. Und ja, seine christlichen Freunde seien manchmal erstaunt über seine Glaubensstärke. „Aber die finden das gut“, schickt er sofort hinterher.
Und erzählt dann aus seinem Alltag: wie doch das harte Training neben der Schule die Woche über bestimmend sei. Wie er dann oft am Wochenende nicht wie die anderen „abhängen“ könne. „Aber das hole ich nach den Wettkämpfen wieder nach“, grinst er dann. Seine Freunde und Lehrer würden ihn unterstützen, wenn er auf Reise sei und dann den Unterrichtsstoff oder Klausuren nachholen müsse. „Alles kein Problem.“
Nach dem Abitur werde er Maschinenbau studieren, hat der junge Mann auch schon klare Zukunftspläne. Den Leistungssport wolle er dann natürlich auch weiter betreiben. „Ich kann gar nicht mehr ohne Training“, lacht er. Doch die nächsten Olympischen Spiele 2012 kämen etwas schnell für einen dann 19-Jährigen, ist er realistisch. Ab diesem Jahr muss Ibrahim sich im Seniorenbereich neu qualifizieren. Und dann reckt er wieder das Kinn hoch. „Aber auch da ist ein Platz im Team machbar.“