Reformen, Finanzen und sexualisierte Gewalt beschäftigen Synode

Kreative Ideen und Reformen, aber auch Abschiede, Um- oder Rückbau: Die rheinische Kirche diskutiert auf ihrer nächsten Landessynode intensiv über die Zukunft kirchlichen Lebens. Auch Gottesdienste und Kasualien werden an aktuelle Lebenswirklichkeiten angepasst.

Veränderungen des kirchlichen Lebens und grundlegende Strukturreformen sind zentrale Themen der rheinischen Landessynode, die vom 14. bis 19. Januar in Düsseldorf über die Zukunft der zweitgrößten deutschen Landeskirche berät. Es gebe großen Veränderungsbedarf, sagte Präses Dr. Thorsten Latzel bei einer Pressekonferenz mit Ausblick auf die Tagung. Die Kirche wolle auch künftig für andere da sein, zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen und „die Frage nach Gott wachhalten“.

Diskussion über zukunftsfähige Kirche

Vor dem Hintergrund sinkender Einnahmen und Mitgliederzahlen widmen sich die derzeit 198 Mitglieder der Synode bei ihrem Jahrestreffen jenseits der üblichen Ausschüsse der Diskussion über die Kirche der Zukunft. Eine zentrale Frage ist dabei, wie Gemeinden und andere kirchliche Orte auch mit weniger finanziellen und personellen Möglichkeiten attraktiv gestaltet werden können. An einem Workshop-Tag geht es unter anderem um religiöse Bildung in Familien, Nachwuchsgewinnung, Mitgliederbindung, Glauben im Alltag, neue Gemeindeformen und eine andere Gestaltung von Presbyterien. „Wir stärken die Reformprozesse auf allen kirchlichen Ebenen“, sagte Präses Latzel. Konkret sollen etwa die Regeln für Gottesdienste, aber auch für Taufen, Trauungen und Abendmahl gelockert werden. Es gehe darum, den Gemeinden vor Ort mehr Freiheit zu geben und zeitgemäße Lösungen zu ermöglichen, die der Lebenswirklichkeit der Menschen entsprächen, sagte der leitende Jurist der Landeskirche, Vizepräsident Dr. Johann Weusmann. Er erwartet bei der Synode lebhafte Diskussionen über dieses „sensible Thema“. Zudem kommt das Gremienwesen einschließlich der Synodenstruktur auf den Prüfstand.

Gebäude aufgeben, Pfarrstellen abbauen

Zum nötigen Umbau der Kirche gehören zudem die Aufgabe vieler Gebäude und ein Abbau von Pfarrstellen. Im laufenden Jahr 2023 liegen die Netto-Kirchensteuereinnahmen der rheinischen Kirche nach Worten des Leiters der Abteilung Finanzen und Diakonie, Henning Boecker, bei knapp 720 Millionen Euro, ein Minus von sechs Prozent gegenüber der Planung. Für kommendes Jahr sei mit gleichbleibenden Einnahmen zu rechnen. Der Rückgang der Finanzkraft treffe alle kirchlichen Ebenen, die auch gestiegene Ausgaben etwa durch höhere Energiekosten zu spüren bekämen. Hauptgrund für den Einnahmenrückgang ist laut Boecker die wirtschaftliche Entwicklung, die sich stärker auswirke als der Mitgliederrückgang.

Umgang mit sexualisierter Gewalt

Thema der Synode wird auch der Umgang mit sexualisierter Gewalt sein – wenige Tage vor Veröffentlichung der ersten bundesweiten Studie externer Wissenschaftler zu Missbrauch in evangelischer Kirche und Diakonie. „Uns ist wichtig, dass wir konsequent die Perspektive der Betroffenen ernst nehmen und dabei nicht nur von einzelnen Fällen, Zahlen sprechen“, so Präses Latzel. Denn hinter jedem gemeldeten Fall stehe „ein persönliches, menschliches Schicksal“.

Pressekonferenz Ausblick auf die Landessynode 2024

  • epd
  • Marcel Kuß