Pressemitteilung

Bericht des Präses auf der Landessynode: Mahnung zum Hören

Nikolaus Schneider: „Gottes Wort spricht seine Menschen auch heute an“

  • Nr. 7/2012
  • 8.1.2012
  • 4993 Zeichen

„Gott spricht noch heute.“ Die Bedeutung des Wortes Gottes für das Leben und Zusammenleben der Menschen hat Präses Nikolaus Schneider am Vormittag bei der Tagung der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr deutlich gemacht: „Gottes Wort sucht Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten. Gottes Wort spricht seine Menschen und seine Kirche auch heute an – wir müssen hören und antworten“, sagte Schneider in seinem alljährlichen Bericht vor dem obersten Leitungsgremium der rheinischen Kirche.

Für die Kirche komme es darauf an, das Hören nicht zu verlernen und sich beim Hören von Gottes Wort in Frage stellen lassen. „Es kommt darauf an, dass wir Gottes Wort nicht dazu benutzen, uns göttliche Autorität anzumaßen, um eigene Interessen, Standpunkte und Machtansprüche durchzusetzen“, sagte Präses Schneider. Kirche dürfe sich nicht allein auf die korrekte Bewahrung der überlieferten Tradition des Gotteswortes reduzieren, sondern sie müsse in ihrer Verkündigung aus einer Beziehung zu dem lebendigen Wort schöpfen.

Gott spricht auch durch die Musik

„Gott spricht noch heute – auch durch die Musik!“ erklärte Nikolaus Schneider mit Blick auf das Jahr „Reformation und Musik“, das auch die rheinische Kirche in diesem Jahr begeht: „Und ich hoffe, dass durch die Kirchenmusik viele Menschen einen ersten oder einen neuen Zugang zum Glauben finden.“ In der Evangelischen Kirche im Rheinland werde in den kommenden Monaten zu erleben sein, wie Gottes Wort in der und durch die Musik zu sprechen und zu wirken vermag. „Dabei gilt es zum einen, das ‚Singen und Sagen’ in den Gemeinden und ihren Gottesdiensten lebendig zu halten und neu zu gestalten. Zum anderen wollen wir den Schatz fünfhundertjähriger evangelischer Kirchenmusik hörbar machen und die reichhaltige kirchenmusikalische Arbeit in den Gemeinden und Kirchenkreisen in ihrer Bedeutung stärken“, so der rheinische Präses.

Gottes Wort gebe nach wie vor Impulse für gesellschaftspolitisches Reden und Handeln, machte der 64-jährige Theologe vor den Synodalen deutlich: „In welchem Rahmen auch immer an Gottes Wort gebundene Menschen politisch reden und handeln, sie werden dabei jeder Verabsolutierung und Vergötzung von Personen, Ideen, Parteien und Ordnungen widerstehen. Gottes Wort lehrt sie Demut und die Einsicht: Wir Menschen sind nicht die Herren und Herrinnen über Leben und Tod und wir sind nicht das Maß aller Dinge. Gültige Maßstäbe wurden uns offenbart. Alles Menschsein ist dagegen gekennzeichnet von Unvollkommenheit und Begrenztheit. Wir Menschen können und werden das Reich Gottes auf unserer Erde nicht vollenden. Aber wir können uns darauf verlassen: Gott spricht noch heute! In der Nachfolge Jesu Christi kann der Anbruch des Gottesreiches schon im Hier und Jetzt für Menschen erfahrbar werden.“

Wenn die Wirtschaftsordnung zur Wirtschaftsunordnung wird

Deutliche Kritik übte Schneider mit Blick auf die Finanzmärkte und globales Wirtschaften: „Wir lernen in diesen Zeiten, dass eine Wirtschaftsordnung zu einer Wirtschaftsunordnung werden kann.“ Es sei in den vergangenen Monaten deutlich geworden, dass eine Fortsetzung der Schuldenpolitik der letzten Jahrzehnte nicht mehr möglich sei. „Die Kosten der Krise dürfen nicht allein den nachfolgenden Generationen aufgebürdet werden, und unter der Perspektive der Gerechtigkeit müssen Stärkere auch größere Lasten tragen. Reichtum gibt es genug – in Deutschland, in Europa und weltweit“, so Präses Schneider. Zudem müsse das Primat der Politik gegenüber den Finanzmärkten weiter durchgesetzt werden: „Ein abgestimmtes weltweites Handeln ist dafür entscheidend. Europa kann jetzt entscheidende Anstöße geben. Die Ergebnisse des letzten Brüsseler Gipfels lassen ein Hoffnungslicht aufscheinen. Eine zügige und entschlossene Umsetzung der Beschlüsse ist nun geboten. Unser Dank gilt allen Politikern und Politikerinnen, die sich nach Kräften darum mühen.“

Bei diesem Thema Wirtschaft und Finanzen übte der oberste Repräsentant von mehr als 2,8 Millionen Protestanten zwischen Emmerich und Saarbrücken deutliche Selbstkritik: „Die bbz GmbH Beihilfe- und Bezüge-Zentrum, eine Firma, die der Evangelischen Kirche im Rheinland gehört, hat in ihrem wirtschaftlichen Handeln offenkundig selbst Maß und Ziel aus den Augen und damit viel Geld verloren. Das ist eine bittere Erkenntnis: Auch kircheneigene Firmen genügen nicht den von uns erkannten Wegweisungen Gottes für ein gerechtes Wirtschaften. Das beschädigt zudem unser öffentliches Eintreten für ein ‚Wirtschaften für das Leben’.“