Präses Latzel: Gottesdienst am Sonntagmorgen ist kein Pflichtprogramm

Der klassische Gottesdienst am Sonntagmorgen muss nach den Worten des rheinischen Präses Thorsten Latzel angesichts einer kleiner werdenden Kirche nicht mehr überall die Regel sein. Es brauche „den Mut zu verschiedenen gottesdienstlichen Formaten“, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Wenn weniger als zehn, fünfzehn Leute in einem Gottesdienst sitzen und die Nachfrage dauerhaft niedrig ist, sollte ausgetestet werden, ob andere, kleinere Formate eher angemessen sind.“ Sie könnten auch von Laien geleitet werden.

Präses Dr. Thorsten Latzel bei der Landessynode 2024. Foto: EKiR/ Hans-Jürgen Bauer

Auch andere Rhythmen, Wochentage und Uhrzeiten seien denkbar, sagte Latzel. In vielen ländlichen Gemeinden werde schon heute nicht jeden Sonntag ein Gottesdienst gefeiert. Die klassische Gottesdienstzeit um zehn Uhr stamme zudem noch aus Zeiten mit viel Landwirtschaft, in denen auf die Fütterungszeit Rücksicht genommen worden sei. „Anstelle eines Pflichtprogramms brauchen wir geistliche Versammlungen und Feiern, zu denen wir selber gerne hingehen“, betonte der 53-jährige Theologe. Besonders gefördert werden sollten Gottesdienste, „bei denen die Kirche richtig brummt: etwa Schulgottesdienste oder Feiern mit Vereinen“.

Mit weniger Menschen und Mitteln gut Kirche sein

Auch in anderen Bereichen solle sich das kirchliche Leben wandeln, „um auch mit weniger Menschen und Mitteln gut Kirche zu sein“, sagte Latzel. Die Synode der rheinischen Kirche berät vom 14. bis 19 Januar 2024 auf ihrer Jahrestagung in Düsseldorf über Reformwege zur „Kirche der Zukunft“. „Wir wollen uns stärker an unseren Mitgliedern orientieren und Menschen in ihrer Biografie geistlich begleiten“, erläuterte der Präses. „Auf dieser Synode wollen wir konkret beschließen, unter anderem den Zugang zur Taufe und zum Abendmahl zu erleichtern.“ So sollten künftig auch Eltern ihr Kind taufen lassen können, die nicht Mitglied der evangelischen Kirche sind.

Mehr Zeit für Seelsorge und Kontaktpflege

Pfarrerinnen und Pfarrer sollen nach Latzels Worten nicht mehr einen großen Teil ihrer Arbeit mit Verwaltungsaufgaben oder Gebäudemanagement zubringen müssen, sondern Zeit für Seelsorge und Kontaktarbeit haben. Besonders wichtig seien dabei Amtshandlungen wie Taufe, Konfirmation oder Bestattung.

Ökumene als Chance

Die Ökumene ist nach den Worten des rheinischen Präses „eine Chance, Zukunftsaufgaben gemeinsam wahrzunehmen“. Gute evangelisch-katholische Zusammenarbeit gebe es etwa in der Seelsorge und beim konfessionell-kooperativen Religionsunterricht. Im Bereich der Kirchengemeinden sei die gemeinsame Nutzung von Gebäuden vielerorts sinnvoll. „Wenn sich evangelische und katholische Kirche kleiner setzen, sollten Sie das vor Ort in einer gut abgestimmten Weise machen, damit möglichst keine weißen Flecken entstehen“, schlug Latzel vor.

  • epd/Ingo Lehnick