Rheinische Kirche trotz veränderter Bedingungen in Aufbruchstimmung

Sechstägige Tagung der 77. Landessynode in Düsseldorf beendet

  • 19.1.2024
  • Ekkehard Rüger, Cornelia Breuer-Iff / EKiR
  • Grafik: Silke Salzmann-Bruhn

Pressemitteilung Nr. 8/2024

Düsseldorf. „In den vergangenen Tagen konnte man eine unwahrscheinliche Aufbruchstimmung spüren“, sagte Präses Dr. Thorsten Latzel bei der abschließenden Pressekonferenz zur 77. Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland. Es gehe darum, Kirche unter veränderten Bedingungen neu zu gestalten, um auch künftig für die Menschen da sein zu können, um „Hoffnung zu geben, von unserem Glauben zu sprechen und uns sozial zu engagieren“. Die Landessynode habe auch beschlossen, wie dieser Prozess weitergehen soll: „Da sind viele Ideen im Raum. Zum Beispiel, wie man in Presbyterien anders und gut leiten kann, wie wir künftig mit unseren Finanzen umgehen, wie wir Nachwuchs gewinnen und Diversität steigern.“

Im Zentrum der Beratungen stand zwar die Zukunft der Kirche. Aber „mehr Sorge als unsere Kirche macht uns derzeit unsere Gesellschaft“, so Latzel. „Wir erleben im Augenblick ein Land, das in Aufruhr ist.“ Die Synode hatte entsprechend auch eine Vielzahl an gesellschaftspolitischen Themen auf der Tagesordnung: Antisemitismus, AfD, die Situation Geflüchteter an den EU-Außengrenzen, Kirchenasyl, und Kindergrundsicherung. „Unsere rheinische Synode zeichnet aus, dass sie fromm und politisch zugleich ist. Dass sie den Glauben an Gott und das gesellschaftliche Engagement immer zusammenhält“, sagte der Präses.

Nur noch 700 Pfarrstellen im Jahr 2040

Die rheinische Kirche geht davon aus, im Jahr 2040 nur noch 700 Pfarrstellen zu haben. Auf diese Zielzahl hat sich die Landessynode verständigt. Der Landessynode 2026 soll ein Vorschlag vorliegen, wie diese Pfarrstellen dann verteilt werden. Vor neun Jahren hatte die Synode erstmals eine Zielzahl festgelegt, damals für das Jahr 2030. Dann sollen im Rheinland noch 1000 Vollzeitpfarrstellen vorgehalten werden. Allerdings wird die neue Zielzahl „atmen“ können: Am Pfarrdienst interessierten Menschen soll offensiv vermittelt werden, dass Bewerbungen auch über die Zahl 700 hinaus willkommen sind. Aber schon um die beschlossene Zielzahl zu erreichen, sind pro Jahr 25 Neuzugänge erforderlich. Die Kirche setze weiter auf „fröhliche, theologisch gut qualifizierte Mitarbeitende“, sagte Vizepräses Christoph Pistorius bei der Pressekonferenz.

Vizepräses Christoph Pistorius stellt sich 2025 nicht mehr zur Wahl

Pistorius erklärte am Ende der letzten Plenarsitzung, dass er im kommenden Jahr nicht wieder zur Wahl steht. Im März 2013 war er ins Landeskirchenamt an die Spitze der Personalabteilung gewechselt und von der Landessynode 2014 zum Vizepräses gewählt worden. Zuvor war er Superintendent des Kirchenkreises Trier. Mit seiner Erklärung wolle er „den Raum eröffnen, möglichst kreativ nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger zu suchen“. Die Synodalen dankten Pistorius mit minutenlangem stehenden Applaus.

Heike Schneidereit-Mauth in die Kirchenleitung gewählt

Pfarrerin Heike Schneidereit-Mauth (Mettmann) ist neues Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Landessynode wählte die 59-jährige Skriba im Kirchenkreis Düsseldorf, Leiterin des dortigen Handlungsfelds Seelsorge, für den Rest der laufenden Wahlperiode bis 2025 zum nebenamtlichen Kirchenleitungsmitglied. Schneidereit-Mauth war neben Pfarrerin Simone Drensler (Xanten) eine von zwei Kandidatinnen für die Nachfolge von Christiane Münker-Lütkehans (58), die zum 1. März 2024 als Dompredigerin nach Berlin wechselt. Auf Schneidereit-Mauth entfielen 119 Stimmen und auf Drensler 40 Stimmen bei 17 Enthaltungen. Auf die Frage, wie sie sich die Kirche der Zukunft vorstelle, hatte Schneidereit-Mauth bei ihrer Vorstellung geantwortet: „Jung, lebendig und agil.“

Kirchensteuern: Kipp-Punkt erreicht

Die rheinische Kirche steht am Anfang eines deutlichen Rückgangs an Kirchensteuereinnahmen. Steigende Gehälter sowie erhöhte Bau- und Verbraucherpreise kommen erschwerend hinzu. Nach Jahren steigender Einnahmen trotz wachsender Austrittszahlen wurde 2023 der Kipp-Punkt erreicht. So sind die Kirchensteuereinnahmen im Vorjahr um sieben Prozent auf 707 Millionen Euro gesunken – das entspricht einem Minus von rund 54 Millionen Euro. Prognostiziert wird für das Jahr 2024 ein Gesamtkirchensteueraufkommen in Höhe von rund 693 Millionen Euro – ein Rückgang um weitere zwei Prozent gegenüber 2023.