Als Kirche nicht nur fordern, sondern auch das eigene Verhalten ändern

Folgen der Globalisierung zum dritten Mal Thema der Synode

Ethisch saubere Geldanlagen, Naturstrom, schadstoffarme Dienstwagen, faire Materialbeschaffung, Protest gegen Flüchtlingsdrama: Die Evangelische Kirche im Rheinland setzt den Negativfolgen der Globalisierung ganz praktische Antworten entgegen: „Hunger, Armut, Krieg, Vertreibung und Flucht nehmen ständig zu“, erklärte der Vorsitzende der Projektgruppe Globalisierung und Jülicher Superintendent Sannig, am Nachmittag in Bad Neuenahr: „Deshalb haben uns die Kirchen des Südens vor Jahren gefragt, ob es nicht vor diesem Hintergrund an der Zeit sei, als eine Kirche Gottes ein Bekenntnis auszurufen gegen die unerträglichen Folgen der wirtschaftlichen Globalisierung hauptsächlich für die Menschen auf der Südhalbkugel unserer Erde.“ Dabei müsse die Kirche auch auf ihre eigenes Tun schauen und nötige Veränderungsprozesse anstoßen, erklärte Sannig in der Pressekonferenz auf der Landessynode 2010.


Auch kleine Schritte führen in die richtige Richtung


Und das geschah und geschieht: Nachdem die Rücklagen der rheinischen Kirche  nach ethischen Kriterien angelegt wurden, gilt nun auch für die Rücklagen der Versorgungskasse ein Ethikfilter. Für die Kirchengemeinden und Kirchenkreise liegen jetzt Rahmenverträge für zwei Anbieter von Ökostrom nach einem zertifizierten Gold Label Standard vor. Das heißt, die Umstellung des Stromverbrauchs auf so genannten Naturstrom aus 100 Prozent regenerativen Energiequellen ist vorangebracht. Es wurden schadstoffarme Dienstwagen geleast und die Klimaabgabe auf Dienstflüge umgesetzt. In Gang gesetzt ist die Erarbeitung ethischer Standards für eine „öko-faire Beschaffung“ im Landeskirchenamt. Sannig: „Das alles sind kleine Schritte, die aber in den nächsten Jahren durch ihre öffentlichkeitswirksame Vorbildfunktion sehr wohl Einfluss nehmen können auf das Verbraucherverhalten der 2,8 Millionen Christinnen und Christen in der rheinischen Kirche. Das wäre dann ein sehr großer Gewinn.“


Für das Klima wäre es „ein größerer Gewinn gewesen, die tausenden Delegierten hätten sich nicht klimaschädlich auf den Weg nach Kopenhagen gemacht, sondern wären zu Hause geblieben“, so Superintendent Sannig. Das (Nicht-)Ergebnis sei eine Katastrophe. Auch deshalb, so Landeskirchenrätin Christine Busch, weil erste und dritte Welt nicht auf Augenhöhe verhandelt haben. Die rheinische Kirche war und bleibt engagiert in Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und damit in Sachen Globalisierung, so Christine Busch. Dabei könne die Kirche auch als „Motor“ für die Gesellschaft wirken.


Der Landessynode 2010 liegt der dritte Folgebericht zur Beschlussfassung vor, außerdem wird sich das oberste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche im Rheinland mit kreissynodalen Anträgen zum Thema Flucht beschäftigen.


Das Thema im Internet: www.ekir.de/globalisierung

  • 12.1.2010
  • EKiR.de