„Wir sind so frei“: Vor 400 Jahren wurde Kirchengeschichte geschrieben

Evangelische Kirche feiert 1. Reformierte Generalsynode in Duisburg

Vor 400 Jahren schrieben die Protestanten am Niederrhein Kirchengeschichte. Die 1. Reformierte Generalsynode in der Duisburger Salvatorkirche im September 1610 hat die Grundlagen für das Selbstverständnis der heutigen Evangelischen Kirche im Rheinland geschaffen. Dieses Ereignis von 1610 feiert die Evangelische Kirche im Rheinland unter dem Motto „wir sind so frei“ mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und im September 2010 gleich mit einer ganzen Festwoche, in die eine Sondersynode eingebettet ist.


Den Auftakt zum Jubiläumsjahr bildet im alten Kirchenjahr die Aufführung des Oratoriums „König David“ von Arthur Honegger am morgigen Samstag, 28. November 2009, um 17 Uhr in der Duisburger Salvatorkirche. Den symphonischen Psalm interpretieren Tina Scherer (Sopran), Gudrun Pelker (Alt), Martin Pflumm (Tenor), die Kantorei der Salvatorkirche und Mitglieder der Duisburger Philharmoniker. Karten für das Samstagskonzert sind an der Abendkasse erhältlich. Das Konzert wird einen Tag später im Rahmen des Neujahrempfangs des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg wiederholt.


Was geschah im September 1610 in der Salvatorkirche


Was geschah im September 1610 in der Duisburger Salvatorkirche? Ein Ereignis, bei dem das Freiheitsverständnis der großen Reformatoren Johannes Calvin und Martin Luther Eingang in die Ordnung der protestantischen Kirche fand. In feudalistischer Zeit kamen 28 Pfarrer und acht Laien zusammen und legten fest, dass die evangelischen Gemeinden sämtliche „Kirchensachen“ selbstständig zu verhandeln haben und die Leitung der Kirche in den Dienst von gleichberechtigten Theologen und Laien zu stellen ist – als Gemeinschaft von Gemeinden und als „von unten“ her aufgebaute Kirche mit presbyterial-synodaler Ordnung. So wurde der Grundstein für die 1835 eingeführte rheinisch-westfälische Kirchenordnung gelegt. Die Entscheidungen in Duisburg 1610 stehen nach wie vor auch Pate für ehrenamtliches Engagement in der Gesellschaft.


Fünf besondere Programmpunkte der Jubiläumsveranstaltungen sind offizielle Projekte der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010. So etwa die im September 2010 stattfindende Ausstellung und ein wissenschaftlicher Kongress, die Geschichte und Bedeutung der Beschlüsse der 1. Reformierten Generalsynode von 1610 beleuchten. Bereits am 3. Januar beginnen die historischen Stadtführungen. Als Schauplatz der 1. Reformierten Generalsynode bietet die Salvatorkirche, Duisburgs alte Stadtkirche, eine besondere Form von Kirchen- und Altstadtführungen an: Gemeindegruppen, Schulklassen und Reisende im Kulturhauptstadtjahr sollen an jedem ersten Sonntag des Monats die Ereignisse des Jahres 1610 anschaulich nachempfinden können. Behilflich sind dabei fachkundige ehrenamtliche Kirchenführerinnen und Kirchenführer der Salvatorkirche, die die Erkundungen mit modernen und interaktiven Medien gestalten.


Oberbürgermeister auf der Kanzel


Das Siegel eines Kulturhauptstadtprojektes erhielt schließlich auch die Veranstaltungsreihe „Kanzelreden“. Sie nehmen den historischen Impuls der Kirche der Teilhabe und geteilten Verantwortung auf. Als erster Redner spricht der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland am 6. Dezember um 17 Uhr von der Kanzel der Duisburger Salvatorkirche zum Thema: „Wir sind so frei…. der Stadt Bestes zu suchen.“ In der Salvatorkirche nehmen im Verlauf des nächsten Jahres fünf weitere Prominente als theologische „Laien“ Stellung zum Motto des Jubiläums „wir sind so frei…“: Dr. Jürgen Schmude, ehemaliger Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und von 1974 bis 1994 Mitglied des Bundestages, Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH, die Duisburger Unternehmerin Gabriela Grillo, der Fernsehjournalist Ruprecht Eser und Dr.-Ing. Ekkehard D. Schulz, Vorstandsvorsitzende der ThyssenKrupp AG.


Für die Organisation der Jubiläumsveranstaltungen zeichnen sich die Evangelische Kirche im Rheinland, der Evangelische Kirchenkreis Duisburg und die Evangelische Kirchengemeinde Alt-Duisburg verantwortlich. Das Jubiläum „400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode“ unterstützen die Unternehmen Haniel, Grillo, KD-Bank, Sparkasse Duisburg, Volksbank Rhein-Ruhr und der Verein für Rheinische Kirchengeschichte. Die Wilhelm-Schrader-Stiftung der Evangelischen Kirche im Rheinland lobt die drei ersten Preise des Wettbewerbs für Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Jubiläums „400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode“ aus. Die Wilhelm-Schrader-Stiftung fördert u.a. Forschungs- oder Schulprojekte zu Geschichte, Gegenwart oder Zukunft der evangelischen Kirche.


Mehr im Internet: www.wir-sind-so-frei.de

  • 27.11.2009
  • EKiR.de